3 Frauenkunst


Frauenkunst

Frauenkunst,
 
feminịstische Kunst. Der Begriff Frauenkunst kam gegen 1970 auf, als zahlreiche Künstlerinnen, zunächst in den USA, dann auch in Europa, feministische Forderungen auf die Kunst ausweiteten. Ihrem Selbstverständnis nach setzte sich die Frauenkunst zunächst mit der gesellschaftlichen Rolle der Frau auseinander, sie baute herkömmliche Rollenklischees ab und entwarf ein neues Bild der befreiten, mit sich selbst identischen Frau. In Opposition gegen die hierarch. Strukturen des Kunstmarkts wurden die traditionell weiblichen Künste (z. B. die Textilkunst) bewusst eingesetzt, um ihre vermeintliche Minderwertigkeit zu thematisieren. Prozesshafte Kunst hatte Vorrang vor Verwertungsaspekten und musealer Bewahrung. In den 80er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Perfektion der künstlerischen Ansätze, die die Spanne von gezieltem gesellschaftskritischem Engagement bis zur Sensibilisierung weiblicher Eigenart in Körpersprache (Body-Art) umfasst. Dieser Diskurs zur Geschlechterkonstruktion wirkte innovativ auf weite Teile der westlichen Avantgardekunst. Durch zahlreiche Ausstellungen, besonders in den 90er-Jahren, konnte die Popularität von historischen und zeitgenössischen Künstlerinnenpersönlichkeiten gesteigert werden (u. a. Gabriele Münter und Niki de Saint Phalle). Vertreterinnen der Frauenkunstbewegung sind Künstlerinnen wie Eleanor Antin (* 1935), Judy Chicago (* 1939), Valie Export, Hannah Wilke (* 1940), Annette Messager (* 1943), Ulrike Rosenbach, Rebecca Horn, Katharina Sieverding, Friederike Pezold und Cindy Sherman (* 1954). 1981 wurde in Bonn das erste Frauenmuseum von der Künstlerin Marianne Pitzen (* 1948) gegründet. 1987 eröffnete in Washington, D. C., das »National Museum for Women in the Arts«.
 
 
Frauen machen Kunst, bearb. v. P. Magers u. a., Ausst.-Kat. (1976);
 L. R. Lippard: From the center (New York 1976);
 
Künstlerinnen international 1877-1977, hg. v. der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Ausst.-Kat. (1977);
 
Das verborgene Museum, hg. v. der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, Ausst.-Kat., 2 Bde. (1987);
 
Frauenforschung u. Kunst von Frauen, 2 Bde. (1989-90);
 
Künstlerinnen des 20. Jh., hg. v. V. Rattemeyer u. a., Ausst.-Kat. Museum Wiesbaden (1990);
 
Frauen - Körper - Kunst. Dokumentation der Tagungen Frauen - Körper - Kunst 1991-1994, hg. v. M. Peter-Bolaender (1994);
 
The power of feminist art. The American movement of the 1970s, history and impact, hg. v. N. Proude u. a. (New York 1994);
 
Das Schwere u. das Leichte. Künstlerinnen des 20. Jh. Skulpturen, Objekte, Installationen, bearb. v. A. Ziesche (1995).

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Frau|en|kunst, die <o. Pl.>: Kunst, die sich mit der gesellschaftlichen Rolle der Frau auseinander setzt.

Universal-Lexikon. 2012.

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